BRS Schwerin


1 1. Auflage 2008 Redaktionsschluss 28.02.2008 Landkreis Ludwigslust Untere Naturschutzbehörde www.ludwigslust.de Amt Stralendorf www.amt-stralendorf.de Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern www.lung.mv-regierung.de Entstehungsgeschichte Land- und Wasserwirtschaft im Siebendörfer Moor ...und die Folgen Siebendörfer Moor im Überblick Das Siebendörfer Moor ist aus der Verlandung eines flachen, inselreichen Grundmoränensees hervorgegangen: • Der mineralische Untergrund besteht vorwiegend aus Sand. • Darauf ist eine teilweise mächtige Schicht an Seeschlamm (Mudden) abgelagert. Zu unterscheiden sind Sand-, Ton-, Kalk- und Organomudden. • Die folgende Torfdecke besteht weitgehend aus gering bis mäßig zersetzten Seggentorfen. Nur an sehr flachen Stellen wuchsen im Untergrund Schilftorfe auf, die in einigen Teilen den Abschluss der Seeverlandung bilden. • Von den höher aufragenden Moränenzügen am Südrand der Niederung in Richtung Norden strömendes Wasser ließ auf dem Verlandungsmoor ein Durchströmungsmoor mit einer Torfmächtigkeit von über 3 m aufwachsen. Das Siebendörfer Moor ist ein traditioneller Grünlandstandort. Bereits auf der Schmettau­schen Karte von 1792 wird die Niederung überwiegend als Grünland dargestellt. Lediglich im zentralen Teil ist mit dem „Großen Bruch“ ein kleiner Teil des ursprünglichen Moores übrig geblieben. Flurnamen wie „Auf dem großen Rieden“ deuten auf die damals noch vorherrschenden hohen bis sehr hohen Grundwasserstände und den Feuchtgrünlandcharakter hin. In der ersten Preußischen Landesaufnahme von 1880 sind die Moorrestflächen völlig verschwunden. Stattdessen tauchen die ersten Torfstichflächen auf. Durch intensiven Torfabbau mit dem Ziel der Brenntorfgewinnung entstehen bis Ende der 1920er Jahre große Wasserflächen und Senken. Mit der Kultivierung des Moores endete das Moorwachstum. Infolge der Entwässerung setzten unumkehrbare Veränderungen des Moorbodens ein. Die Geschichte von Wasserwirtschaft und Nutzung des Moores ist ein typisches Beispiel für das bedauernswerte Schicksal von Mooren, nicht nur in Nordostdeutschland. Die zunehmende Mechanisierung in der Landwirtschaft und der Bedarf an gut be­wirtschaftbaren Nutzflächen ist 1932 Anlass für die Durchführung einer ersten, tiefgreifenden Entwässerung des Moorgebietes: der Wasserspiegel des Ostorfer Sees wird um 35 cm abgesenkt und neue Gräben werden angelegt. Schon in den 1950er Jahren reicht infolge von Moorsackungen die Entwässerungsleistung des Grabensystems nicht mehr aus, um eine befriedigende Bewirtschaftbarkeit der Flächen sicherzustellen. Das Grabensystem muss erneut ausgebaut werden. Jetzt dreht sich die Spirale immer schneller: • 1967/ 68 erfolgt der tiefe Ausbau eines zentralen Vorfluters sowie die Erweiterung des Binnengrabennetzes. Das Schöpfwerk wird gebaut. • 1980 müssen die Gräben erneut ausgebaut werden. Die Zeit hoher Erträge ist schon wieder vorbei. Die intensive Entwässerung und der Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Technik haben die Moorsackung deutlich beschleunigt. • Auch in den Folgejahren bis heute müssen die Gräben kontinuierlich vertieft und das Grabennetz ausgebaut werden. Zukünftig ist auf Teilflächen geplant, Moorböden schonender zu bewirtschaften. Kleinere Flächen sollen renaturiert werden. Standortaufnahmen im Siebendörfer Moor weisen Torfschichten mit einer Dicke von 3 bis 600 cm nach. Zwischen 1963 und 1981 sind Höhenverluste von teilweise über 0,5 bis 0,8 Meter eingetreten. Solche Höhenverluste von Moorboden werden vereinfachend unter dem Begriff „Moorsackung“ zusammengefasst. Gründe für die Setzungen der Moor­oberfläche liegen in einem Auftriebsverlust durch Entwässerung, der Verdichtung des Oberbodens durch schwere Landtechnik sowie des Moorschwundes infolge Mineralisierung der Torfsubstanz. Die im entwässerten Moor ablaufenden Prozesse: Setzung, Schrumpfung, Torfverzehr und Erosion sind in ihrer Intensität von Klima, Wasserhaushalt, Moormächtigkeit, Moorart und Torfart abhängig. Sie stellen eine Anpassung des in seinem Wasserhaushalt gestörten Moores an die neuen Verhältnisse dar. Der Umfang der Moorsackungen im Siebendörfer Moor ist kleinräumig sehr unterschiedlich, so daß sich ein ausgeprägtes Mikrorelief eingestellt hat. Die durch Moorsackung bedingte Abnahme der Versickerungsgeschwindigkeit bewirkt eine erhöhte Abhängigkeit von Niederschlägen. Insbesondere die Mulden sind in Abhängigkeit vom Wetter durch einen Wechsel von Überstau und Austro­cknung gekennzeich­net. Name Der Name "Siebendörfer Moor" leitet sich von den sieben an die Niederung angrenzenden, alten Dörfern ab: Pampow, Stralendorf, Groß und Klein Rogahn, Görries, Krebsförden, Wüstmark. Querschnitt durch das Siebendörfer Moor S Fotos Behr (1-7, 9-14,17-35), Zimmermann (8), Limbrunner/Hecker (15), Stecher (16) Mooroberfläche 1963 43 42 Mooroberfläche 1981 42 41 41 40 40 39 39 38 38 37 37 Torfschrumpfungshorizont Vermullungshorizont Moorsackung [müHN] Moore nehmen in Mecklenburg-Vorpommern mit ca. 293.000 ha einen nicht unwesentlichen Teil der Landesfläche ein. Davon werden ca. 64 % landwirtschaftlich genutzt. Die pro Jahr in Mecklenburg-Vorpommern durch Moormine­ ralisierung freigesetzten 11 Mio. t Kohlendioxid übersteigen die durch den Stra­ßenverkehr verursachte CO2-Belastung der Atmosphäre. Entwässerte Niedermoore sind somit nicht nur zu einer bedeutsamen Quelle für klimarelevantes Kohlendioxid geworden, sondern tragen auch in erheblichem Masse zur Belastung der Gewässer mit Nährstoffen bei. Görries (SN) Krösnitz fer lsg_projsn Grenze Landschaftsschutzgebiet e Se Eisenbahn Hauptzugänge Bahnübergang (Kreuzung, Brücke) LV Klima Das Siebendörfer Moor hat aufgrund seines Niederungscharakters mit hohem Grünlandanteil Bedeutung für die Kaltluftentstehung. Nach der "Analyse der klima- und immissionsökologischen Funktionen in der Landeshauptstadt Schwerin“ ist die Niederung Kaltluftliefergebiet mit sehr hoher Produktivität. Der mittlere Niederschlag im Raum Schwerin liegt- Geodatenportal bei 625mm/Jahr. Landeshauptstadt Schwerin Dwang stadtgrenzeGK4_krass Stadt-/Kreisgrenze Graben/Vorfluter mit Nummer Klein Rogahn (LWL) Problemstandorte durch - Haftnässe - Staunässe - Sammelwasser - Grundwassereinfluss zunehmend wirksam 0 Moorsackung 2 6 6 8 8 Erdfen Fenmulm A Tierfriedhof A LV B Wüstmark (SN) 2 4 Fen 4 LV 1 0 4 Fenried Schöpfwerk Tiefe in dm Nutzungsintensivierung ► Oberfläche ungestörtes Moor 10 LV Druckdatum: 14.03.2008 6 Standortentwicklung eines Niedermoores im Zuge zunehmender Nutzungsintensivierung Tiefe in dm 10 B Bereits bei einem leichten Absinken des Wasserspiegels stellen Moore ihr Wachstum ein. Bei der Urbarmachung der Moore sinkt der mittlere Grundwasserstand deutlich unter 0,5 bis 0,8 m unter Flur ab. Die oberen Torfschichten beginnen sich zu zersetzen und Kohlenstoff sowie Nährstoffe freizusetzen (= Mineralisierung). Konkurrenz­kräftige, an nährstoffreichere Standorte angepasste Tier- und Pflanzenarten breiten sich aus. Umbruch sowie Düngung und Ansaat verstärken den Prozess. Infolge Sackung, Schrumpfung und Erosion verdichtet der Moorboden. Es wird eine erneute Entwässerung notwendig, die wiederum die gleichen Abläufe auslöst („Teufelskreis der Moornutzung“). Mit jeder Vertiefung der Entwässerung sind die Standorte schwieriger zu bewirtschaften. Ein zunehmender Anteil an Moorgrünland fällt brach. Das von der Landesregierung im März 2000 beschlossene "Konzept zur Bestandssicherung und zur Entwicklung der Moore in M-V" hat eine sehr große Resonanz im Land gefunden. Nach der Neuauflage des Moorschutzkonzeptes sollen Moorstandorte gezielt wiedervernässt werden, um wieder als "Kohlenstoffsenken" fungieren zu können. Östlich der Eisenbahnlinie Schwerin-Hamburg liegt zwischen dem NeubauMaßsta gebiet Krebsförden, dem Ortsteil Wüstmark ein Teilgebiet des Siebendörfer Moores, das durch viele tiefbeastete Baumreihen auffällt. Diese sind gesetzlich geschützt. Die Baumreihen stocken auf alten Parzellengrenzen und vermitteln einen Eindruck von der früheren, kleinteiligen Nutzung des Siebendörfer Moores. Heute ist dieser strukturreiche Teil des Landschaftsschutzgebietes von großem Wert für viele Tierarten. Nördlich der Eisenbahnlinie ist das Landschaftsbild durch die Masten einer 380 KV Leitung stark beeinträchtigt. B Groß Rogahn (LWL) aus: Succow, M. & Joosten, H. (2001): Landschaftsökologische Moorkunde - Tieferlegung der Oberfläche - Mikroreliefierung mit Widerspiegelung des Untergrundes Krebsförden (SN) Umspannwerk Görries - Sackung - Schrumpfung - Mineralisierung - Winderosion K 62 Landkreis Ludwigslust (LWL) Mulm 45 ha 315 ha 260 ha Verteilung der Moorbodentypen im Siebendörfer Moor 0 1000 0 Star ■ Höhlenbrüter, benötigt zur Nahrungssuche Grünland ■ nutzt Massenschlafplätze im Schilf, teilweise auch in der Stadt ■ in Europa sehr anpassungsfähiger Standvogel und Teilstreckenzieher ■ Schwarmvogel, der unterschiedlichste Nahrungsquellen nutzt ■ gefährdet durch Rückgang der Grünland-Nutzung ■ zeigt aktuell steigende Bestände in Nordostdeutschland Grundwasserspiegel mäßiger Grundwasserzufluss Landeshauptstadt Schwerin (SN) Einzugsgebiet_oberird_Projec Grenze Polder Siebendörfer Moor - Nutzung - Umbruch - Ansaat - Düngung - Entwässerung (Grundabsenkung nnze Pfla zug r e t n rk sta assee m A Rad-/Wanderweg radweg_projsn2 Teufelskreis Moorentwässerung - wachsendes Moor - Grundwassersättigung starker Oberflächenzufluss Schöpfwerk Landschaftsschutz­gebiet Sieben­dörfer Moor im Luftbild 2005 Hektarangaben nach IBS 2001; Abbildung Profile nach LUA Brandenburg (o.J.) 13 Grundwasserspiegel starke Düngung Grundwasser Dem Siebendörfer Moor fließt Grundwasser aus süd-, nord- und westlicher Richtung zu. Im Süden besteht sogar ein verstärkter Andrang von Grundwasser. Dies führt hier zu einer besseren Wasserversorgung der Moorbereiche. Abhängig vom Grabennetz und der Tätigkeit des Schöpfwerkes liegen die Grundwasserstände im Moor im Durchschnitt zwischen 60 und 80 cm unter Flur. Extremwerte liegen bei 25 und 90 cm. Unter dem Moor liegende Grundwasserleiter sind überwiegend "gespannt", d.h. das Wasser steht unter Druck. tor L A N D S C H A F T S S C H U T Z G E B I E T Seggen-/ Schilftorf starke Torfmineralisierung Vorfluter: Graben oder See starker Grundwasserzufluss Konflikte durch intensive landwirtschaftlichen Nutzung 9 ha Fischadler ■ brütet seit ersten Brutversuchen 2005 auf einem stillgelegtem Strommast ■ hat im Siebendörfer Moor einen seiner westlichsten Brutplätze ■ hat sich ganz auf das Erbeuten von Fischen spezialisiert ■ Zum Überwintern ziehen Fischadler in den Mittelmeerraum und nach Afrika. ■ ist durch Störung seiner Lebensräume und Jagd in den Winterquartieren bedroht ■ gehört in Deutschland zu den streng geschützten Vögeln nzen Pfla iger ntzug ß ä e m se mas Durchströmungsmoor heute Os SIEBENDÖRFER MOOR Seeablagerungen (Mudde) Ried 8 geringe Torfmineralisierung 35 35 SCHWERIN Vorfluter: Graben oder See geringe Düngung 36 36 [müHN] LANDESHAUPTSTADT mäßiger Oberflächenzufluss Durchströmungsmoor bis 1970 N 43 Abbildungen verändert nach Succow, M. & Joo­sten, H. (Hrsg., 2001): Landschafts­ ökologische Moorkunde Wasserwirtschaft Für die wasserwirtschaftlichen Anlagen des Siebendörfer Moores liegt die Zuständigkeit beim Wasser- und Bodenverband "Schweriner See/ Obere Sude“. Der künstlich entwässerte Polder Siebendörfer Moor umfaßt 825 ha Niederungsflächen. Er ist mit einem umfangreichen Binnengrabensystem versehen: Hauptzuleiter zum Schöpfwerk ist der Graben LV 13, der von Südwest nach Nordost das Moor durchfließt. Das gesamte hydrologische Einzugsgebiet beträgt ca. 12,7 km². Das Schöpfwerk entwässert über den Graben LV 10 (Herrengraben) in den Ostorfer See. Der weitere Abfluss aus dem Ostorfer See erfolgt über den ca. 0,30 m tiefer liegenden Faulen See und weiter zum Schweriner See. Der Mittelwasserstand des Schweriner Sees liegt bei 37,66 m ü HN. 1 Gestaltung LUCKHAUSDESIGN Neubrandenburger Str. 2 19063 Schwerin Internet: Landeshauptstadt Schwerin Untere Naturschutzbehörde www.schwerin.de Das 1967 in Betrieb genommene Schöpfwerk entwässert ein ca. 825 ha gro­ßes Niederungsgebiet in den Ostorfer See. Mit kleineren Stauanlagen (im Vordergrund), können die Wässerstände kleinräumig reguliert werden. B 32 Inhalt und technische Herstellung Planungsbüro Mordhorst GmbH Kolberger Str. 25 24589 Nortorf Landkreis Ludwigslust Untere Naturschutzbehörde 03874 - 624 2791 naturschutz@ludwigslust.de Im nördlichen Teil des Moores weiden Heidschnucken der Zukunftswerkstatt Schwerin. Mit diesen Schafen können die Moorflächen besonders schonend bewirtschaftet werden. -Ha gen ow Landeshauptstadt Schwerin Untere Naturschutzbehörde 0385 - 545 2600 hfuchs@schwerin.de Die extensive, ganzjährige Freilandhaltung von Galloways (Robustrinder) dient der besonders landschaftsschonenden Bewirtschaftung der Grünlandflächen und verhindert eine Bewaldung des Moores. erin Herausgeber Landeshauptstadt Schwerin Der Oberbürgermeister Amt für Bauen, Denkmalpflege und Naturschutz Am Packhof 2-6 19053 Schwerin 5 Blick über extensiv genutzte Grünland- und Schilfflächen der Moorniederung auf höher gelegene Ackerflächen und auf eines der namensgebenden Dörfer am Moorrand: Groß Rogahn. Sch w Kontakt 4 1.000 Pampow (LWL) 2000 1.000 10 Graugans ■ brütet im städtischen Teil, auch größere Rastvogelvorkommen im Winter ■ ist während der Brut und Jungenaufzucht sehr störungsempfindlich ■ hat als halbzahmer Vogel eine geringe Fluchtdistanz (<10 m) ■ zeigt als Wildvogel eine Fluchtdistanz von 100 bis 200 m ■ die winterlichen, großen Rastvogelbestände von nordischen Gänsen (Blässgans, Saatgans) sind hier überregional bedeutsam 14 Teichhuhn ■ gehört zu den Rallen (wie auch z.B. das Blässhuhn) ■ charakteristisch sind die rote Stirn, die gelbe Schnabelspitze und grüne Beine ■ ist ein Allesfresser, der ab Mitte April 5-11 Eier ablegt, häufig auch Zweitbruten ■ lebt in Uferzonen und Verlandungsgürteln von nährstoffreichen Gewässern ■ Beute u.a. von: Rohrweihe, Marderhund, Hecht ■ hier eine häufigere Art, deren Bestand in Deutschland zurückgeht 3000 m 2.000 0 9 Schnatterente ■ ernährt sich überwiegend von Wasserpflanzen wie Laichkräutern sowie Samen und Wurzeln von Riedgräser und Grünteilen von Gräsern (Gründelente) ■ ist sehr scheu, fliegt bei Störung auf und legt dann weite Strecken zurück ■ seltenere Entenart, zieht im Winter in den Mittelmeerraum ■ In Deutschland gibt es in Ostholstein und in Mecklenburg größere Vorkommen kann am rein weissen "Spiegel" immer gut erkannt werden Bah nlin ie Impressum 3 K 63 Der größte Teil des Siebendörfer Moores besteht aus Grünland, das als Wiese oder Weide genutzt wird. Gemähte Wiesen weisen eine einheitliche, gehölzfreie Vegetationsschicht mit einer für sie typischen Pflanzen- und Tierwelt auf. 2 4000 m 2.000 0 5000 m m 2.000 1.000 Graureiher ■ lebt in den Bäumen eines kleinen Waldes am Südufer des Ostorfer Sees in einer Brutkolonie ■ frisst Fische, Frösche, Molche, Schlangen und Wasserinsekten ■ bleibt ganzjährig im Gebiet (Standvogel) ■ sein Bestand hat seit der Unterschutzstellung zugenommen ■ als Wintergast kommen hier auch immer häufiger Silberreiher vor Wachtelkönig seine Rufe sind hier sowie in der Störtal- und Auchbachniederung zu hören ■ lebt sehr verborgen; auffallend sind die knarrenden Rufe der Männchen ■ brütet und jagt in extensivem Grün- und Brachland ■ frisst überwiegend tierische Nahrung (Heuschrecken, Käfer, Libellen etc.) ■ überwintert als Langstreckenzieher im tropischen Afrika ■ zählt in Deutschland zu den streng geschützten Arten Die großen Torfstiche im nordöstlichen Bereich des Siebendörfer Moores wurden vor 1980 vom VEB "Organische Düngestoffe" angelegt. Sie stellen einen wertvollen Lebensraum für viele bedrohte und störungsempfindliche Arten dar. Das Angeln ist daher verboten! Westlich der Torfstiche wurden ab 2005 mehrere Kleingewässer neu angelegt, um zusätzlichen Lebensraum u.a. für Frösche und Libellen zu schaffen. Das Schöpfwerk am Nordrand wird vom Wasser- und Bodenverband "Schweriner See/ Obere Sude" betrieben. Hier wurde früher in kleineren Torfstichen auch Torf zu Brennzwecken abgebaut. 12 11 15 ■ © Geobasisdaten (Karten und Luftbilder): Landesamt für innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern (LAiV-MV) Aufnahmedatum: April 2005 12 Erdkröte ■ häufigere, in Deutschland besonders geschützte Amphibienart ■ Kaulquappen dieser Art sind für Fische ungenießbar wandert im März aus Winterquartier zu Laich-Gewässern ■ bei Wanderungen gefährdet durch Autoverkehr auf Straßen ■ im Gebiet kommen auch Moor-, Gras- Teich-, Laubfrosch, Rotbauchunke, Knoblauchkröte sowie Teich- und Kammolch vor 17 16 Kiebitz hier häufiger, in größeren Schwärmen auftretender Rastvogel, seltener Brutvogel ■ Charaktervogel der Wiesen- und Weidelandschaft der Niederungen ■ Kiebitze sind tag- und nachtaktiv ■ als Kurzstreckenzieher kehren sie ab Januar aus dem Winterquartier zurück ■ Brutmulden werden auf kurzrasigen Flächen angelegt ■ hochgradig bedroht durch intensive landwirtschaftliche Nutzung ■ Ringelnatter tagaktive Schlange lebt überwiegend an Gewässerufern ■ frisst Amphibien und Fische, stellt nur lebender Beute nach ■ Gift der Ringelnatter ist für Menschen völlig ungefährlich ■ Winterstarre oft in Komposthaufen oder Baumstubben ■ zählt deutschlandweit zu den besonders geschützten Arten ■ ist durch gelbe Markierungen am Hinterkopf gekennzeichnet ■ Landschaftsschutz 18 19 Herbst-Mosaikjungfer ■ kleinere Edellibelle, die hier im Gebiet häufig vorkommt ■ die Großlibelle fliegt ab Juli bis in den November hinein ■ nutzt überwiegend pflanzenreiche, stehende Gewässer ■ überwintert im Ei-Stadium, anders als bei anderen Edellibellenarten ■ nur relativ kurze Entwicklungszeit der Larven ■ Weibchen sticht Eier vorwiegend in treibende Holzstückchen ein Feuerlibelle ■ fliegt hier von Ende Juni bis August ■ Wanderlibelle mit einem Verbeitungsschwerpunkt am Mittelmeer ■ Ausweitung des Verbreitungsgebiets vermutlich durch Klimawandel bedingt ■ in den letzten Jahren häufiger in Norddeutschland gesichtet ■ lebt räuberisch und jagt insbesondere kleine Insekten ■ Larven leben am Grund des Gewässers oder an Wasserpflanzen 20 Gebänderte Heidelibelle ■ eher schaukelnder Flug von Ende Juli bis Mitte Oktober ■ zeigt einen östlichen Verbreitungsschwerpunkt in Europa ■ aktuell häufen sich neue Nachweise in Norddeutschland ■ deutschlandweit gilt diese Großlibellenart als gefährdet ■ 11 Larvenstadien entwickeln sich relativ schnell in 30-60 Tagen ■ Pionierart, bevorzugt Wiesenlandschaften mit Kleingewässern Das Siebendörfer Moor in den Grenzen der Landeshauptstadt Schwerin seit 1996 und im Landkreis Ludwigslust seit 1999 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Das Landesraumentwicklungsprogramm MV 2005 stellt das Siebendörfer Moor als Vorbehaltsgebiet „Naturschutz und Landschaftspflege“ dar. Der Landschaftsrahmenplan Westmecklenburg formuliert für das Gebiet die Zielsetzung: "Entwicklung und Regeneration der Niedermoorfläche". Das Landschaftsprogramm Mecklenburg-Vorpommern (2003) stellt die hohe Bedeutung des Vogelrastraumes „Siebendörfer Moor / Grambower Moor“ heraus. Der B-Plan Nr. 39 der Landeshauptstadt Schwerin (2003) hat Maßnahmen auf Teilflächen des Siebendörfer Moores als Kompensation für Eingriffe im Industriepark Göhrener Tannen festgesetzt. Danach soll auf einer Fläche von 280 ha der oberflächennahe Wasserspiegel geringer als bisher abgesenkt werden. Hierdurch sollen die vorhandenen Niedermoortorfreste geschont bzw. erhalten werden und die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass sich die moortypische Fauna und Flora wieder besser entwickeln kann. Da die festgesetzten Kompensationsflächen teilweise im Bereich des Landkreises Ludwigslust liegen, haben auch die betroffenen Gemeinden Stralendorf, Klein Rogahn und Pampow die entsprechenden Beschlüsse zur grundsätzlichen Zustimmung über eine „Aufwertung des Siebendörfer Moores“ (Veröff. im Amtl. Bekanntmachungsblatt Amt Stralendorf Juni 2001) gefasst. Bisher nicht für die Kompensation festgesetzte Teilflächen des Siebendörfer Moores sollen aus regionalplanerischer Sicht für zukünftige, große Eingriffsvorhaben in Westmecklenburg als Kompensationfläche im Sinne eines Ökokontos zur Verfügung stehen. 21 Lebensraum Wiese - Sommer Hochwüchsige Gras- und Staudenfluren sind Lebensraum einer Vielzahl von Insekten und Spinnen. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge nutzen das reiche Blütenangebot als Nektarquelle. Halme und Stengel dienen vielen als Überwinterungsplatz. Wegen des großen Nahrungsangebotes nutzen viele typische Tierarten wie Bekassine, Wachtelkönig und Braunkehlchen das strukturreiche, extensive Feuchtgrünland als Brut- und Nahrungsraum. Libellen und Heuschrecken 23 22 Sumpfschrecke ■ diese Art lebt nur in Feuchtgebieten ■ besiedelt nasse Wiesen, Gewässerufer und Schwingrasen ■ stark gefährdet durch Entwässerung der Lebensräume ■ Indikator für intakte Feuchtgebiete ■ ausgewachsenes Insekt tritt von Juli bis Oktober auf ■ nach 5 Larvenstadien lebt vollentwickelte Heuschrecke nur bis zu 53 Tagen Schwimmkäfer (Graphoderus cinereus) ■ in den Gewässern dieses Niedermoores leben viele wirbellose Tierarten ■ die Wasserkäfer stellen hier eine besonders artenreiche Gruppe ■ Der 15 mm große Schwimmkäfer Graphoderus cinereus gehört zu den seltenen, im Siebendörfer Moor vorkommenden Wasserkäfern ■ auch der besonders geschützte "Tiefschwarze Kolbenwasserkäfer" (Hydrophilus aterimus) kommt hier in einigen Gewässern vor Historische Situation Biotoptypen im Landschafts­ schutz­gebiet Sieben­dörfer Moor 24 Schwefelvögelchen zählt zu den "Bläulingen", legt Eier an Sauerampfer-Arten ab ■ bringt pro Jahr 2 Generationen hervor; überwintert als Raupe ■ lebt an Waldrändern, in Mäh- und Feuchtwiesen ■ gefährdet durch Intensivierung der Grünlandnutzung ■ weitere Tagfalter sind: Admiral, Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Landkärtchen, Diestelfalter, Weißrandiger Mohrenfalter, Rostbraunes Wiesenvögelchen ■ RL BV RV Aaskrähe Amsel Bachstelze Bartmeise Baumpieper Bekassine Beutelmeise Birkenzeisig Blässgans Blaumeise Blessralle Bluthänfling Braunkehlchen Buchfink Buntspecht Dohle Dorngrasmücke Drosselrohrsänger Eichelhäher Eisvogel Elster Erlenszeisig Feldlerche Feldschwirl Fischadler Fitis Gartengrasmücke Gelbspötter Gimpel Gänsesäger Goldammer Goldregenpfeifer Graugans Graureiher Grauschnäpper Großer Brachvogel Haubentaucher Heckenbraunelle Höckerschwan Jagdfasan Klappergrasmücke Kleiber Kleinspecht Kiebitz Kohlmeise Kolkrabe Kormoran Kranich Krickente Kuckuck Lachmöwe Gebäude- / Verkehrsfläche Die von Carl Friedrich Wiebeking auf der Grundlage von Neuvermessungen im Maßstab 1:24.000 gezeichnete und vom preußischen Oberst Friedrich Wilhelm Karl von Schmettau herausgegebene Karte stammt aus dem Jahr 1780. Im westlichen Bereich des Siebendörfer Moores sind noch Reste des ursprünglich das ganze Moor überdeckenden Moorwaldes erhalten. Im übrigen herrscht eine Grünlandnutzung vor. Moorbodentypen Ried Ried Erdfen Erdfen Fenmulm Fenmulm Mulm Mulm Gestörter Torfboden Gestörter Torfboden Moor, Moor,undifferenziert undifferenziert Verkehrsflächen Verkehrsfläche (nach Grünordnungsplan zum B-Plan Nr. 39 Stadt Schwerin 2001) 2000 4000 6000 8000 m Die in den Jahren 1968/69 fertiggestellten Gräben und das Schöpfwerk haben den Grundwasserspiegel deutlich abgesenkt. Die dadurch verstärkte Moorzersetzung führte zu einer Abnahme der Moormächtigkeit und zu bedeutsamen Veränderungen des Wasser- und Nährstoffhaushaltes. Der Anteil ungestörter Moorböden (Ried) ist verschwindend gering (s. Abb. "Standortentwicklung eines Niedermoores im Zuge zunehmender Nutzungsintensivierung"). © Geobasisdaten (Karten und Luftbilder): Landesamt für innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern (LAiV-MV) Aufnahmedatum: April 2005 0 0 1000 1.000 25 Lebensraum Wiese - Winter / Frühjahr Blänken ziehen nahrungssuchende Wasservögel wie Bekassine an. Sie entstehen auf ober­flächennah stark degradierten, wenig wasserdurchlässigen Moorböden. Auf den überstauten Flächen sammeln sich im Winterhalbjahr neben Graugänsen auch viele nordische Gänse wie Bläss- oder Saatgans. Die Vorkommen dieser Rastvögel im Siebendörfer Moor haben eine regionale bis überregionale Bedeutung für den Vogelschutz. Brut-/ Rastvögel Niedermoor//Sumpf Sumpf Niedermoor Moor-/Bruchwald Moor-/Bruchwald Gewässer Gewässer Laubwald Laubwald Kleingehölz, Baumreihe Kleingehölz, Feuchtgrünland Feuchtgrünland SonstigesWirtschaftsgrünland Wirtschaftsgrünland Sonstiges Staudenflur,Brache Brache Staudenflur, Garten,Freizeitanlage Freizeitanlage Garten, Acker Acker 0 Großlibellen RLMV Heuschrecken RLMV Gebänderte Heidelibelle Kurzflügelige Schwertschrecke Gemeine Heidelibelle Grünes Heupferd Blutrote Heidelibelle Roesels Beißschrecke Gefleckte Heidelibelle Gewöhnliche Strauchschrecke Feuerlibelle Säbeldornschrecke Große Königslibelle 3 Sumpfschrecke 3 Blaugrüne Mosaikjungfer Große Goldschrecke Herbst Mosaikjungfer Heidegrashüpfer 3 Braune Mosaikjungfer Rotleibiger Grashüpfer 2 Blaupfeil Feld-Grashüpfer Vierfleck Weißrandiger Grashüpfer Plattbauch Nachtigall-Grashüpfer Glänzende Smaragdlibelle Brauner Grashüpfer Verkannter Grashüpfer Gemeiner Grashüpfer Kleinlibellen Diese Artenlisten der Libellen und Gemeine Prachtlibelle Heuschrecken geben einen ersten Großes Granatauge Einblick in die Artenvielfalt dieser beiKleines Granatauge 2 den Insektengruppen im Siebendörfer Großes Pechlibelle Moor. Da Libellen und HeuschreKleine Pechlibelle 2 cken im Siebendörfer Moor noch Gemeine Binsenjungfer nicht intensiv untersucht wurden, ist Glänzende Binsenjungfer zukünftig mit weiteren Artnachweisen zu rechnen. Becher-Azurjungfer Hufeisen-Azurjungfer RLMV = Rote Liste MecklenburgVorpommern 2000 m 2.000 0 3000 1.000 4000 m 2.000 0 5000 1.000 6000 m x x x 1 3 2 V 3 3 x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x 2 x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x Bewertung der Vorkommen im Siebendörfer Moor: BV = Brutvogel; RV = Nichtbrüter, Rastvogel m 2.000 RL BV RV Mäusebussard Mönchsgramücke Nachtigall Nebelkrähe Neuntöter Pfeifente Pirol Rabenkrähe Rauchschwalbe Rauhfußbussard Reiherente Ringdrossel Ringeltaube Rohrammer Rohrdommel Rohrschwirl Rohrweihe Rothalstaucher Rotmilan Rotschenkel Saatgans Saatkrähe Schafstelze Schlagschwirl Schnatterente Seeadler Silberreiher Singdrossel Sprosser Star Sumpfmeise Sumpfrohrsänger Stockente Sturmmöwe Tafelente Teichhuhn Teichrohrsänger Turmfalke Wacholderdrossel Wachtel Wachtelkönig Waldwasserläufer Weidenmeise Weißstorch Wiesenpieper Zaunkönig Zilpzalp Zwergtaucher x x x x x x x 1 V V 3 x x x x x x x x x x x x x x V 2 3 V x x x x x x x x x x x x x x x x x x 26 x x x x Lebensraum Kleingewässer Kleingewässer sind einzigartige und besonders geschützte Lebensräume. Neben Wasser- und Sumpfpflanzen kommen zahlreiche Tierarten vor, die hier einzelne Entwicklungsstadien oder ihren gesamten Lebenszyklus verbringen. Zu den typischen Arten gehören Libellen und Amphibien. Mit den neu angelegten Kleingewässern wird ein Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt geleistet. In zwei neuen Stillgewässern z.B. wurden 2007 insgesamt 41 Wasserkäferarten gefangen. x x x x x x x x RL = Status nach der Roten Liste der Vögel Deutschlands (2002): 1 = vom Erlöschen bedroht 2 = stark gefährdet 3 = gefährdet V = Vorwarnliste R = Extrem selten 27 Lebensraum Torfstich Die Torfstiche mit ihrem Umland im Siebendörfer Moor sind sehr vielfältig ausgestattet. Große Wasserflächen wechseln mit Röhrichten, Weidengebüschen, Ruderalfluren und genutzte Grünlandflächen. Hier brütet die überwiegende Anzahl der im Siebendörfer Moor nachgewiesen Brutvogelarten: Rothalstaucher, Graugans, Krickente, Stockente, Tafelente, Rohrweihe, Rohrdommel, Wasserralle, Teich­huhn, Blesshuhn, Schilfrohrsänger, Teichrohrsänger und Rohrammer. Nutzungsstruktur Nutzungstyp Gewässer Acker Wirtschaftsgrünland Feuchtgrünland Moore, Sümpfe Staudenfluren Kleingehölze, Baumreihen, Einzelbäume Laubwälder Gärten, Freizeitanlagen Siedlungs- und Verkehrsflächen Gesamtgebiet Anteil 4% 8% 53 % 21 % 4% 2% 3% 2% 1% 2% 100 % Fläche 38 ha 83 ha 553 ha 223 ha 43 ha 24 ha 27 ha 20 ha 10 ha 24 ha 1045 ha Die im Siebendörfer Moor anstehenden Torfe lassen darauf schließen, dass ohne den Einfluss des Menschen dieses Niedermoor natürlicherweise von einem Mosaik aus Seggenriedern und Schilfröhrichten mit eingestreuten Bruchwäldern bedeckt sein würde. Der Vergleich mit der heutigen Vegeta­ tion lässt folgende Bewertung der Naturnähe zu: 28 Schilf wächst bis zu 4m hoch und steht in bis zu 1,5 m tiefem Wasser ■ die vegetative Vermehrung erfolgt durch lange, in der Vegetationsperiode täglich bis zu 3 cm wachsende Wurzelausläufer ■ der Wurzelstock benötigt atmosphärischen Sauerstoff ■ die Bestände sind Lebensraum für viele spezialisierte Tierarten ■ zeigt europaweit starke Bestandseinbrüche an Seeufern ■ 29 30 Kohldistel wächst auf basen- und mäßig stickstoffreichen Böden ■ charakteristische Lebensräume sind Naßwiesen, Auwälder und Bachufer ■ zeigt in gedüngten Feuchtwiesen feuchte Standorte an ■ blüht von Juni bis Oktober, wird vom Weidevieh ungern gefressen ■ die Blüten werden von Insekten bestäubt ■ ist ein Nektar- und Pollenspender von besonderem Wert Kuckucks-Lichtnelke ■ ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die von Insekten bestäubt wird ■ bevorzugt feuchte, mäßig fette Wiesen, Moore und Sümpfe ■ ist in stark überdüngten Wiesen nicht mehr zu finden ■ tritt im Siebendörfer Moor in den nassen, nährstoffarmen Gräben auf ■ zeigt stark wechselfeuchte Bodenverhältnisse hin ■ gehört in Mecklenburg-Vorpommern zu den gefährdeten Pflanzen ■ Biotoptyp Grünland-Biotoptypen Biotoptypen des Feuchtgrünlandes, der Feuchtbrachen sowie der Kleingehölze Ackerflächen, Kleingartenanlagen und Gräben Röhrichte, Rieder, Feuchtgebüsche Wasserröhrichte am großen Torfstich Anteil Naturnähe 71 % bedingt naturfern 12 % bedingt naturnah 11 % naturfern 3 % 0,3 % naturnah natürlich. Nach der "Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands“ sind 128 ha „gefährdet“ (Stufe 2) und 40 ha „stark gefährdet“ (Stufe 3) . 31 Lebensraum Graben Das Siebendörfer Moor ist von einem dichten Grabennetz durchzogen. Dieses ist einerseits für die intensive Entwässerung des Gebietes verantwortlich, selten geräumte Gräben können andererseits aber auch bedeutsamer Lebensraum sein. In ständig wasserführenden, stark verkrauteten Gräben mit niedriger Fließgeschwindigkeit leben u.a. Schnecken, Muscheln, Insekten und Fische. Niedermoortypische Pflanzen Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein war auf den Feuchtstandorten des Siebendörfer Moores großflächig noch artenreiches Feuchtgrünland vertreten. Die Intensivierung der Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte brachte neben der tiefgreifenden Entwässerung, erhöhte Düngergaben sowie häufigere Mahd an immer früheren Mahdterminen mit sich. Artenarmes Wirtschaftsgrünland mit wuchskräftigen Gräsern verdrängte die ehemals krautreichen Bestände. Das artenreiche Feuchtgrünland soll durch Wiedervernässung und extensive Nutzung heute wieder hergestellt werden. Aufgrund dann ständiger Durchnässung des Wurzelraumes und eingeschränkter Verfügbarkeit von Nährstoffen in den Moorböden werden sich arten- und blütenreiche Pflanzenbestände mit verschiedenen Sauergräsern (auch Riedgräser oder Seggen) und krautige Pflanzen wie Kohldistel, Wiesen-Schaumkraut, Sumpfdotterblume und Kuckucks-Lichtnelke ansiedeln bzw. weiter ausbreiten. Nach den vorliegenden Untersuchungen finden sich im Siebendörfer Moor 123 Pflanzenarten, von denen 17 auf der Roten Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen in MV stehen (RL = Status Rote Liste Pflanzen MV 2005): 32 Gewöhnliches Pfeilkraut ■ gehört zu den Froschlöffelgewächsen ■ lebt in langsam fließendem Wasser nährstoffreicher Bäche ■ wächst auch völlig untergetaucht noch weiter ■ besitzt getrenntgeschlechtliche Blüten ■ legt zur Überwinterung Knollen am Ende langer Ausläufer an ■ ist durch die Entkrautung der Gewässer gefährdet 33 Sumpfdotterblume ■ wächst in nährstoffreichen Nasswiesen und Hochstaudenfluren sowie an feucht-nassen Standorten (u.a.: Quellen, Bäche u. Bruchwälder) ■ gehört zu den Hahnenfußgewächsen ■ erneuert sich aus einem Wurzelstock ■ ist durch Entwässerung und Planieren von feuchten Wiesen gefährdet ■ deutschlandweit leidet diese Art unter Bestandsrückgängen 34 Bulte der Steifen Segge ■ wächst in Feucht- und Nasswiesen, Zwischenmooren und auf staunassen, nährstoff- und basenreichen Böden; Blütezeit: April bis Mai ■ Sauergras mit stockwerkartig aufgebauten Horsten (Bülten) ■ Stängel wachsen steif aufrecht und sind scharf dreikantig ■ weitere Seggenarten im Gebiet: Sumpf-, Walzen-, Schlank-, Wiesen-Segge, Rispen-, Behaarte-, Ufer-, Schnabel-, Blasen-, Hänge-, Schein-Zyperngras-Segge Pflanzenart Wiesen-Margerite Kuckucks-Lichtnelke Wiesen-Schaumkraut Sumpf-Sternmiere Wiesen-Segge Sumpf-Blutauge Blasen-Segge Echter Schaf-Schwingel Wiesen-Flockenblume RL 3 3 3 3 3 3 3 3 3 Pflanzenart Hain-Simse Schnabel-Segge Froschbiss Kornblume Große Bibernelle Sumpf-Dotterblume Zweizeilige-Segge Hänge-Segge RL 3 V V V V V V R 33 35 Lebensraum Bruchwald Natürlicherweise das ganze Moor bedeckende Erlen- und Birken-Bruchwälder sowie Weiden-Feuchtgebüsche konzentrieren sich auf den nördlichen Bereich. Zu den typischen Bewohnern dieses Lebensraums gehören Kranich, Kleinspecht und Beutelmeise. Auch viele Säugetiere (z.B. Wildschwein, Fuchs, Marderhund, Reh und Hase) nutzen diesen Biotoptyp. An Weiden, Birken und Erlen leben viele Insektenarten (Käfer, Schmetterlinge, Bienen).