BRS Schwerin


Sehr geehrter Herr Stadtpräsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, liebe Gäste Der Behindertenbeirat der Landeshauptstadt Schwerin in seiner jetzigen Form, wurde 2014 von der Stadtvertretung gewählt. Dieses Jahr sind wieder Kommunalwahlen und wir können feststellen, dass wir Einiges an Barrierefreiheit mit Ihrer Hilfe in Schwerin geschaffen haben. Aber es gibt in der Landeshauptstadt Schwerin noch sehr viel zu tun, um die Barrierefreiheit in allen Bereichen zu erreichen. Die Arbeit des Behindertenbeirats wurde durch einige äußere Bedingungen immer wieder erschwert. Hinderlich erwies es sich bei der Tätigkeit, dass für das Büro des Behindertenbeirates kein Mitarbeiter für Koordinationstätigkeiten eingestellt wurde. Negativ wirkte sich auch die fehlende Besetzung der Stelle eines Behindertenbeauftragten aus, der darauf hätte hinwirken können, dass der Maßnahmeplan der Landeshauptstadt Schwerin zur Durchsetzung der UN – Behindertenrechtskonvention intensiver weiter verfolgt wird. In der Landeshauptstadt Schwerin lebten 2017 über 20.000 Menschen mit Behinderung. Hierbei sind auch die Menschen mit eingerechnet, die unter einem GDB von 50 % haben. Für 2018 haben wir noch keine Statistik erhalten, sodass wir hierzu noch keine Aussagen machen können. Die Größenordnung macht deutlich, wie wichtig es ist, sich für die gleichberechtigte Teilhabe und Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung einzusetzen. Deshalb freuen wir uns sehr, dass in diesem Jahr, im Februar, eine Behindertenbeauftragte, Frau Hennings, ihre Arbeit aufgenommen hat. Es ist unabdingbar, dass der Teilhabeplan der Landeshauptstadt Schwerin endlich mit Leben gefüllt wird. Bereits erledigte Aufgaben müssen kenntlich gemacht und neue Maßnahmen erarbeitet werden. Auch müssen die dafür gebildeten acht Arbeitsgruppen wieder aktiv werden. Sie sind die Fachleute auf ihrem Gebiet und kennen die Probleme. Eine Absprache mit der Behindertenbeauftragten Frau Hennings wurde bereits getroffen. In Vorbereitung auf eine gemeinsame Sitzung haben wir bereits im September 2018 eine Anfrage an den Oberbürgermeister gerichtet, in der wir um Auskunft zu verschiedenen Punkten gebeten haben, die die Situation der Einwohner der Landeshauptstadt Schwerin mit Behinderung betreffen. Leider haben wir auch auf Nachfrage nicht alle gewünschten Informationen erhalten. Der Behindertenbeirat hatte gefordert, dass die Inhalte der Stadtvertretersitzungen Landeshauptstadt Schwerin in leichter Sprache auf der Internetseite der Stadt dargestellt werden soll. Das wurde noch nicht umgesetzt. Fehlende leichte Sprache bedeutet fehlende Wertschätzung gegenüber allen Menschen, die auf „ Leichte Sprache“ angewiesen sind. Offenbar hat das Büro der Stadtvertretung die Bedeutung der leichten Sprache nicht verstanden. Wir sind alle auf die Informationen aus unserer Umwelt angewiesen. Nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten profitieren von leichter Sprache, auch ältere Menschen, demente Patienten, funktionale Analphabeten, Menschen mit Deutsch als Zweitsprache. Mit leichter Sprache sind sie nicht mehr vom Informationsfluss ausgeschlossen. Wer einmal einen Brief vom Amt im Behörden -Sprache erhalten hat, wird sich das ein oder andere Mal gefragt haben, „Was zur Hölle wollen die von mir?“ Auch Nichtbehinderte können von leichter Sprache profitieren! Zusätzlich wird immer wieder darauf verwiesen, dass Gebärdensprache als Angebot nicht notwendig ist, wenn leichte Sprache vorhanden ist. Die Gebärdensprache und die leichte Sprache sind nicht austauschbar. Es sollten immer beide Angebote vorhanden sein, auch wenn es einen begrenzten Kreis gehörloser Menschen gibt, die leichte Sprache nutzen. Für die Mehrheit der Gehörlosen ist die Gebärdensprache aber die Muttersprache. Einfach erklärt: in welcher Sprache lesen Sie einen schweren Text am liebsten? In einer Fremdsprache oder in der Muttersprache? Da haben Sie die Antwort!!! Gut dagegen laufen die Einstellungen und Erklärungen in leichter Sprache auf der Homepage der Landeshauptstadt Schwerin, auf der erklärt wird, wo man was findet. Der Behindertenbeirat hat im vergangenen Jahr sein satzungsgemäßes Antragsrecht wahrgenommen und mit Hilfe der Stadtvertreter einige Verbesserungen für die Menschen mit Behinderung umgesetzt. Es ist für uns unverständlich, wenn aber versucht wird, verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen. So geschehen mit der Ampelschaltung in der Lübecker Straße. Der Behindertenbeirat hat lange mit der Verwaltung über die Ampelschaltung diskutiert und erklärt, warum die Ampelschaltung nötig ist. Wir sind darüber übereingekommen, dass die Ampelschaltung bestehen bleibt. Im Nachhinein wurde alles wieder geändert. Es wurde behauptet, dass der Radstreifen nicht verlängert werden kann. Durch Fahrradfahrer und zunehmende Elektromobilität wird eine Querung der Straßen für blinde und sehbehinderte Menschen immer schwieriger und gefährlicher. Um den Verkehrsfluss nicht zu gefährden, wäre eine Dunkelschaltung eine gute Lösung. Warum das nicht möglich sein soll, konnte uns bis heute keiner erklären. Wir möchten darauf hinweisen, dass dort auch eine integrative Schule gebaut wird. Alle Kinder müssen die Möglichkeit haben, die Straße sicher zu überqueren. Im vergangenen Jahr hat sich die gute Zusammenarbeit mit der WGS weiterentwickelt. So führten wir mehrere Gespräche zum barrierereduzierten Umbau der vorhandenen Wohnungen. Herr Köchig und sein Team machen sich darüber Gedanken, den Menschen, die kurzfristig eine barrierefreie Wohnung benötigen, zum Beispiel nach einem Klinikaufenthalt, eine solche vorzuhalten. Natürlich sieht der Behindertenbeirat die Notwendigkeit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, freut sich aber über das Engagement. Die WGS baut Barrieren nicht nur in den Wohnungen ab. Auch im Umfeld wollen sie tätig werden und denken z.B auch an die Müllentsorgung oder den Freizeitbereich. Der Behindertenbeirat hatte zum Thema „Barrierefreies Planen und Bauen“ einen Workshop für Architekten aus Schwerin geplant. Für das Honorar erhielten wir auf Antrag 600 € vom Lions Club, der für die Barrierefreiheit in Schwerin ein offenes Ohr hat. Hierfür bedankt sich der Behindertenbeirat nochmals beim Lions Club. Leider verstarb unser Referent, der Architekt Herr Kingerske, ganz plötzlich, so dass wir diesen Workshop mit Genehmigung des Lions Clubs auf das Jahr 2019 verschieben mussten. Eine Zusage der Architektin Frau Dr. Bernier als Referentin haben wir schon erhalten. Der Workshop wird am 12.04.2019 im Stadthaus durchgeführt werden, an dem sich auch die Kolleginnen und Kollegen der Verwaltung des Bauamtes beteiligen werden. Architekten setzen sich immer mehr mit der Barrierefreiheit auseinander und es gibt Fortschritte zu verzeichnen. Aber jeder Architekt, der sich nicht damit befasst, ist einer zu viel. Weiterhin hat der Behindertenbeirat eine Spende von 500 € für einen Workshop „Bauzeichnungen lesen und Planen lernen“ von der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Auch hierfür nochmals unseren Dank an die Ehrenamtsstiftung MV. Dieser Workshop war den Mitgliedern des Behindertenbeirats vorbehalten. Wir wissen, was wir benötigen, aber wir sind keine Architekten. Dieser Workshop war für uns alle so interessant, dass wir ihn zur Festigung gern wiederholen würden. Eine zentrale Aktion des Behindertenbeirates war die Organisation des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der am 4. Mai 2018 im Schlosspark Center in Schwerin durchgeführt wurde. Ziel dieser Veranstaltung war es, über Teilhabe, Chancengleichheit und Barrierefreiheit für alle Menschen der Landeshauptstadt Schwerin aufzuklären und die Menschen dafür zu sensibilisieren, wie es ist mit einer Behinderung zu leben. Unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Frau Drese nutzten wir diesen Tag unter dem Motto „Teilhabe am kulturellen Leben in der Landeshauptstadt Schwerin“ um den Bürgern die Belange der Menschen mit Behinderung nahe zu bringen. Ein wichtiger Tagespunkt war die Podiumsdiskussion, zu der wir Vertreter kultureller Einrichtungen unserer Landeshauptstadt eingeladen hatten. Wir traten in einen Austausch mit den Einrichtungen, um zu zeigen, wie Barrierefreiheit z.B. auch in denkmalgeschützten Häusern funktionieren kann. Es gab ein gutes Feedback. Man habe sehr viel mitgenommen und es sei spannend gewesen, wie andere Einrichtungen mit Barrierefreiheit umgehen, nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für blinde und Sehbehinderte und Menschen mit anderen Krankheitsbildern. Der Behindertenbeirat dankt Herrn Banner, dem damaligen Geschäftsführer des Schlossparkcenters, der gemeinsam mit dem Centermanagement diese Aktion in ihren Räumlichkeiten ermöglicht hat. Wir wünschen Herrn Banner für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute. Einen großen Dank spricht der Behindertenbeirat auch dem Sanitätshaus Hofmann aus, das diese Aktion mit 500 € unterstützt hat. Dem Schweriner Nahverkehr ebenfalls einen Dank für die Werbung in ihren Bussen und Bahnen. Was bedeutet aber dieser Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung? Inklusion ist ein erklärtes gesellschaftliches Ziel, das aber längst nicht verwirklicht, wegen seiner Umsetzung teilweise sogar umstritten ist. Seit 1992 macht der europäische Protesttag auf die Situation von Menschen mit Behinderung aufmerksam und fordert eine inklusive Gesellschaft, die keinen aufgrund individueller Einschränkungen ausschließt. Schon heute möchte ich Sie alle recht herzlich dazu einladen, am 06. Mai 2019 in Schwerin am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung teilzunehmen. Das Motto lautet: “Missioninklusion, Die Zukunft beginnt mit Dir”. Beginnen wir die Zukunft alle gemeinsam. Schließen Sie sich bitte nicht aus. Wir haben es sehr bedauert, dass im vergangenen Jahr nur wenige Stadtvertreter zu unserer Veranstaltung erschienen sind. Neben dieser großen Aktion finden in unserem Ehrenamtsalltag zudem etliche Beratungen mit Architekten in unserem Büro statt, so zum Beispiel Vorgespräche zu Bauvorhaben vom Nahverkehr Schwerin oder der Schweriner Zoo. Die Kommunikation im Vorfeld ist sehr wichtig, um alle Möglichkeiten der Barrierefreiheit zu bedenken. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten die zu Barrierefreiheit führen können. Ein Negativbeispiel ist die Außengastronomie am Marienplatz bei der Backfacktorie. Hier wurde der Behindertenbeirat wieder einmal außen vorgelassen. Hier wurden Barrieren aufgebaut. Sehr geehrter Herr Stadtpräsident sehr geehrter Herr Oberbürgermeister sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, oft sind nicht die Behinderungen der Menschen das Problem, sondern die Barrieren, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Das Menschen mit Behinderung immer wieder ausgegrenzt werden liegt nicht daran das sie behindert sind, sondern dass sie behindert werden. Sehen Sie nicht die Defizite bei den Menschen mit Behinderung sondern passen sie die Umwelt deren Bedarfe an. Haben Sie sich schon einmal ganz persönlich gefragt, wie Sie Ihren Alltag und Ihre Festtage gestalten? Planen Sie Ihre Unternehmungen lange im Voraus? Fragen sie sich, wie sie nach Hause kommen? Können Sie spontan Ihre Familie besuchen? Dieses sind alles Fragen, die Menschen mit Behinderung lange vor ihren Unternehmungen klären und vorbereiten müssen. Solange ausschließlich Menschen ohne Behinderung definieren, ob, wann, wie und wo Inklusion umgesetzt wird, ist diese schon gescheitert. Lassen Sie es uns gemeinsam schaffen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. Angelika Stoof Vorsitzende